Alarmstufe ROT

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Finanzminister, sehr geehrter Herr Wirtschaftsminister,
unsere Tanzschulen haben die Zwangsschließung des letzten Lockdowns durch die staatlichen Ausgleichsmaßnahmen, unter anderem der Überbrückungshilfe 3, gerade so überlebt. Die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben haben viele von uns mit Krediten gefüllt. Die Wiederaufnahme der Betriebe Mitte Juni 2021 fiel genau die einkommensschwächste Sommerzeit.
Die Hauptumsätze generieren Tanzschulen zwischen Oktober und März jeden Jahres. Dort akquirieren wir die meisten Neukunden und haben die größten Veranstaltungen / Bälle. Dazu kommen die Einnahmen aus der tanzschuleigenen Gastronomie.
Die Möglichkeit, im Winter 2020/21 Neukunden zu gewinnen, wurde durch die staatlichen Eingriffe in Form der Zwangsschließung unmöglich. In dieser Zeit haben wir durch die Schließung etliche Mitglieder verloren.
Im Sommer 2021 sind wir dadurch mit Einnahmeverlusten von gut 20 – 29 % pro Monat im Vergleich zu 2019 gestartet. Gleichzeitig haben sich die Kosten in den letzten Monaten zum Teil dramatisch erhöht. 
In der Hoffnung auf die Herbst- / Wintersaison 2021/22 haben wir hart gearbeitet und unter anderem in Lüftungsanlagen und Hepa 14 Filter und Werbung für unsere Betriebe investiert. Jetzt stellt sich heraus, dass alle Maßnahmen der Regierung nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben und unsere Situation keinen Deut besser ist als im letzten Jahr. Für uns sieht es sogar schlechter aus als vorher. 
Aus der Überbrückungshilfe Ü 3 Plus ab Juli 2021 sind wir raus, weil wir nicht „genug“ Verlust machen. Auf Anfrage zur Absenkung der Schwelle von jetzt 30% auf höchstens 20% zur Beantragung eines Fixkostenzuschusses wurde uns mitgeteilt, dass bis zu 30% Verlust der Einnahmen im Vergleich zu 2019 als saisonale Schwankung von den Firmen hinzunehmen sind. Jetzt können aber 22 Monate Einschränkung nicht ernsthaft als „saisonale Schwankung“ bezeichnet werden.
Uns werden schon wieder alle 3 Standbeine – der Tanzschulbetrieb mit der kontinuierlichen Gewinnung von neuen Mitgliedern, der Veranstaltungssektor mit Partys und Bällen in den Tanzschulen bzw. angemieteten Räumlichkeiten und die Einnahmen aus der Gastronomie – gleichzeitig erheblich eingeschränkt.
Der Verlust von dadurch rund einem Viertel der monatlichen Einnahmen bei gleichzeitig gestiegenen Kosten bringt uns nach den vielen Monaten schwierigen Wirtschaftens an den Rand des Wahnsinns.
Nach Rücksprache mit den Betreibern anderer Freizeit- und Sportbereiche, der Kultur, der Gastronomie, der Hotellerie und des Einzelhandels wissen wir, dass es unglaublich viele kleinere und mittlere Unternehmen bundesweit gibt, die spätestens im Dezember dieses Jahrs nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Es geht um viele Tausend Arbeitsplätze in bis dahin zuverlässig steuerzahlenden Unternehmen mit einer großen Vielfalt für das gesellschaftliche Leben in diesem Land…
Wir melden uns erst jetzt, weil wir die Hoffnung hatten, ab Herbst dieses Jahrs aus eigener Kraft die notwendigen Umsätze zu erwirtschaften. Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt.
Um überleben zu können, fordern wir von Ihnen, die Bezugsgrenze der Überbrückungshilfe 3 Plus, schnellstens rückwirkend zum 01.07.2021 von derzeit 30 Prozent auf höchstens 20 Prozent abzusenken und für eine schnelle Auszahlung der Gelder zu sorgen.  Wir fordern von Ihnen, diese Bezugsgrenze auch bei der zukünftigen Überbrückungshilfe 4 ab Januar 2022 beizubehalten.
In der Hoffnung auf eine schnelle Entscheidung verbleiben hochachtungsvoll,
Matthias Freydank, Danny Bergemann und Frank Utesch, Martin und Sandra Lehmann, Christin und Sven Seeger